Fernsehprogramme wie die amerikanische Doku-Soap Storage Wars – Die Geschäftemacher sind auch in Deutschland ungemein populär. Die Dramatik der Lagerraum-Versteigerungen vor laufender Kamera findet zwar in mehreren US-amerikanischen Städten statt, aber auch in Deutschland kommt es täglich zu ähnlichen Versteigerungen von Lagergut.
Selfstorage- und Lagerraumvermieter nutzen Versteigerungen, wenn Kunden plötzlich nicht mehr die Miete für den angemieteten Lagerraum zahlen und für den Vermieter nicht mehr erreichbar sind.
Im Folgenden werden wir Ihnen verraten, wie die Versteigerung von Lagergut funktioniert und auf was Sie achten müssen, wenn auch Sie bei einer Auktion teilnehmen wollen.
Welche Arten von Lagerraum-Versteigerungen gibt es und was sind die Unterschiede?
Im Ausgangspunkt gibt es zwei verschiedene Arten von Versteigerungen. Herkömmliche Auktionen werden von fachlich ausgebildeten Auktionatoren und Auktionatorinnen geleitet, die den gesamten Vorgang von Anfang bis Ende organisieren, dokumentieren und sicherstellen, dass der Verkauf gemäß deutschem Recht durchgeführt wird.
Diese Art von Versteigerung ist normalerweise an den Standort gebunden und eine physische Präsenz der Bieter ist angebracht, wenn auch oft in Form von Stellvertretern. Klassische Versteigerungen finden normalerweise in Auktionshäusern statt und in der Regel können die Käufer die Gegenstände, für die sie bieten, vor der Auktion genauer in Augenschein nehmen.
Bei klassischen Auktionen von Lagerraum-Inhalten können interessierte Bieter den Inhalt zwar ansehen, aber nicht anfassen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Gegenstände zumeist in Kartons verstaut oder im wilden Chaos auf einen Haufen liegen, was die Evaluierung des möglichen Werts erheblich erschwert.
Mit dem digitalen Zeitalter sind Auktionen vermehrt ins Internet gezogen und der Erfolg von Plattformen wie eBay hat dazu geführt, dass selbst traditionelle Auktionshäuser vermehrt ihre Gegenstände auf Online-Auktionen unter den digitalen Hammer bringen.
Bei Online-Auktionen wird der Auktionator durch das Prinzip des Zeitdranges ersetzt. Der Verkäufer bestimmt schon im Voraus den Minimumwert und gibt Bietern die Möglichkeit, innerhalb eines gewissen Zeitraums Gebote einzulegen. Wer beim Ablauf des Zeitraums das höchste Gebot abgegeben hat, ist der Käufer.
Bei Online-Auktionen können die Bieter zumeist die angebotenen Gegenstände nicht persönlich betrachten, sondern sind auf Bilder angewiesen, die der Verkäufer auf der Auktions-Website zur Verfügung stellt. In Ausnahmefällen, wie bei besonders wertvollen Gegenständen, können Bieter nach Absprache einen Blick auf die angebotenen Sachen werfen.
Bei sowohl klassischen als auch Online-Auktionen gilt die Regel, dass der Käufer unmittelbar nach Abschluss der Bieterrunde sofort für die ersteigerte Ware bezahlt. Im Zusammenhang mit Lagerraumversteigerungen kommen weitere Verpflichtungen hinzu, die eingehalten werden müssen, um den Kauf gültig zu machen.
Was genau ist eine Lagerraum-Versteigerung und was muss ich beachten?
Wer einen Lagerraum mietet, unabhängig davon, ob es sich hier um Selfstorage oder eine ganze Lagerhalle handelt, verpflichtet sich in der Regel dazu, dafür Miete zu zahlen. In manchen Fällen können oder wollen Mieter der Lagerflächen nicht mehr zahlen und lassen ihre Sachen in der Lagereinheit zurück.
In anderen Fällen läuft der Mietvertrag ab und die Mieter versäumen es, ihre eingelagerten Gegenstände wieder abzuholen.
In beiden Fällen hat der Vermieter das Recht, nach dem Ablauf eines gewissen Zeitraums und nachdem mehrere Aufforderungen, den Betrag zu begleichen oder die eingelagerten Gegenstände zu entfernen, die Sachen in Beschlag zu nehmen und sie zu verkaufen. Die Einzelheiten über die Rechte und Verpflichtungen sowohl des Lagerraum-Vermieters als auch des Mieters sind in den Mietverträgen festgehalten.
Im Falle einer Versteigerung wird jede Einheit separat zum Verkauf angeboten. Lagereinheiten können nicht nur aus abgesonderten Räumen bestehen, sondern auch aus Containern, Paletten oder Paketwagen.
Bieter bei einer Auktion, unabhängig davon, ob diese online oder mit physischer Präsenz stattfindet, müssen sich ausweisen und sich mit den Regeln des Auktionators oder der Auktions-Plattform online als einverstanden erklären. Dazu gehört, dass sie sich verpflichten, bei einem gewinnenden Gebot und Zuschlag auch zu zahlen. Rückerstattungen nach einer abgeschlossenen Auktion sind in der Regel nicht erhältlich.
Bei einer Lagerraum Auktion den Wert richtig einschätzen
Für unerfahrene Bieter kann eine Auktion von Lagerräumen unübersichtlich und manchmal auch ungerecht erscheinen. Immerhin darf man die angebotenen Gegenstände nicht näher betrachten. Bei Auktionen für separate Lagereinheiten dürfen Sie noch nicht einmal den Lagerraum betreten, sondern nur die Sachen von der Tür aus in Augenschein nehmen.
Der Reiz von Lagerraum-Auktionen ist aber gerade, dass man nicht genau weiß, was man eigentlich erhält, und die Erwartungen, die diese Ungewissheit mit sich führt. Umso größer ist die Überraschung, wenn man unter den ersteigerten Gegenständen wahre Kleinode entdeckt. Allerdings kann in vielen Fällen die ersteigerte Ware sich auch als eine Enttäuschung erweisen, wenn der Betrag, den man für die Gegenstände bezahlt hat, nicht mit dem wirklichen Inhalt der ersteigerten Lagereinheit übereinstimmen.
Den Wert der gelagerten Gegenstände zu ermitteln, kann sich besonders für Neulinge im Auktionsbereich als schwierig erweisen. Hier sind einige Tipps, worauf Sie achten sollten, bevor Sie auf einer Auktion für Lagerplatz-Räumungen bieten:
- Versuchen Sie immer, die versteigerte Lagereinheit persönlich vor der Auktion aufzusuchen, um sich eine Übersicht über den Zustand der Sachen zu machen.
- Nehmen Sie eine Taschenlampe und ein Fernglas mit, um die Sachen von der Tür aus zu beleuchten und im Detail betrachten zu können.
- Achten Sie besonders auf Etiketten, Beschriftungen und andere Merkmale, die Hinweise auf die verpackten Gegenstände geben können.
- Sehen Sie nach, ob sich Kartons von bekannten Marken im Lagerraum befinden, die einen gewissen Wert darstellen.
- Schauen Sie sich auch die Räumlichkeit und den generellen Zustand des Lagerguts an. Halten Sie besonders Ausschau nach Schimmel, Feuchtigkeitsschäden, schlechter Verstauung und Organisation der Sachen, die den Wert der zu versteigenden Gegenstände beträchtlich verringern.
- Ermitteln Sie die Art der Gegenstände und ziehen Sie die richtigen Schlüsse daraus. Zeugen die Gegenstände von einer privaten Lagerhaltung oder ist es eine betrieblich genutzte Lagereinheit? Sind Möbel vorhanden, oder hegen Sie den Verdacht, dass die Kartons gebrauchte Kleidung, Bücher oder Ramsch enthalten? Bei betrieblich genutzten Lagerräumen könnten Sie plötzlich mit wertlosen, unverkäuflichen Bulk-Ladungen wie Kartons mit 1000 Geburtstagskarten für 100-Jährige dastehen.
So bieten Sie clever bei einer Lagerraum-Auktion
Nachdem Sie den Inhalt der Lagereinheit gesehen haben, müssen Sie sich auf der Basis Ihrer Untersuchung auf die eigentliche Auktion vorbereiten.
Bedenken Sie bei der Kalkulation, dass viele der eingelagerten Gegenstände im Endeffekt keinen weiteren Wert für Sie haben werden. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie einiges wegwerfen oder recyceln werden oder im besten Fall zu sehr geringen Preisen weiterverkaufen können.
Bei der Versteigerung von Lagergut geht es zumeist darum, einige wenige wirklich wertvolle Gegenstände wie Schmuck, Elektronik, Werkzeuge oder Münzsammlungen zu einem Spottpreis zu ergattern.
Viele professionelle Resellers schließen sich außerdem besonders bei Lagerraum-Versteigerung zu einer Interessengemeinschaft zusammen, um das Maß der Ausbeute und den möglichen Verlust zu minimieren. Deshalb arbeiten Antiquitätshändler, Antiquariate, Verkäufer von gebrauchter Kleidung und Schrottsammler bei Auktionen oft zusammen, um nach dem Auspacken die Gegenstände je nach Interessenbereich untereinander aufzuteilen.
Ziehen Sie basierend auf Ihren Beobachtungen alle Möglichkeiten in Betracht und setzen Sie sich eine maximale Summe, die Sie bei Ihren Geboten nicht überschreiten wollen.
Bei der Auktion ist es dann wichtig, dass Sie sich beim Bieten an diesen Grenzwert halten und diesen nicht übersteigen. Auktionen sind nichts für schwache Nerven. Im Eifer des Gefechts mitgerissen zu werden, könnte Ihnen im Nachhinein viel Geld kosten. Zeigen Sie Disziplin und überlassen Sie im Zweifelsfall es jemand anderen, eine hohe Rechnung für minderwertiges Lagergut zu zahlen.
Was geschieht, nachdem ich das höchste Gebot bei einer Auktion von Lagergut abgegeben habe?
Nach dem nervenaufreibenden Bieten und Gegenbieten bei der Lagergut-Auktion werden Sie hoffentlich mitunter als Gewinner dastehen. Jetzt ist natürlich die Spannung groß, denn Sie wollen Ihr ersteigertes Gut so schnell wie möglich in Augenschein nehmen.
Bevor Sie jedoch ans Auspacken gehen, müssen Sie besonders bei Versteigerungen von Lagergut, das sich noch in der Lagereinheit befindet, einige wichtige Voraussetzungen beachten.
Zum einen müssen Sie zahlen, bevor Sie Zugang zu dem ersteigerten Lagerrauminhalt bekommen. Bei einer herkömmlichen Live-Auktion geben Sie den Betrag, für den Sie sich mit Ihrem höchsten Gebot verpflichtet haben, an den Auktionator. Bei einer Online-Auktion bezahlen Sie im Check-out. Beachten Sie, dass jedes Gebot bindend ist und Sie nicht plötzlich Reue zeigen und vom Kauf zurücktreten können.
Danach haben Sie in der Regel zwischen fünf Tagen und einer Woche Zeit, den Lagerraum auszuräumen. Im Laufe dieser Zeit bis zur Übergabe an den Lagerraum-Vermieter dürfen Sie die Sachen zwar ansehen und anfassen, aber nicht verkaufen, wegwerfen oder recyclen. Der Kaufvertrag wird nämlich erst gültig, nachdem Sie die Lagereinheit in einem besenreinen Zustand an den Lagerraum-Vermieter zurückgegeben haben.
Erst dann ist es an der Zeit, Ihre ersteigerten Schätze wirklich in Besitz zu nehmen.